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"Holzwege" von Peter Hromek

PETER HROMEK - Holz Gefäß Skulptur

„Holzwege“ von Peter Hromek

Geboren bin ich in der Tschechischen Republik 1947

In meinen Kindheitserinnerungen war ich schon immer ein leidenschaftlicher Sammler von außergewöhnlichen Holzstücken, Ästen oder Wurzeln. Die hatte ich meist leicht bearbeitet zu figürlichen Darstellungen oder Schmuckstücken. In unserer Stadt gab es damals kaum Möglichkeiten kunsthandwerkliche Arbeiten zu sehen zu bekommen. In einer Zeitschrift erschienen von Zeit zu Zeit Bilder von Skulpturen oder japanischer Blumenkunst. Diesen galt immer meine Faszination.

Obwohl ich in der Grundschule ein Versager war, hatte mir meine Lehre als Feinmechaniker ungeheueren Spaß bereitet. Praktische Arbeiten, die eine bestimmte Fingerfertigkeit abverlangt hatten, das war mein Metier.

1969 verließ ich die Tschechische Republik und kam in die Bundesrepublik.
Als Hobbymusiker war es nicht schwer in Kontakt mit Gleichgesinnten zu kommen. Allerdings war ich kein so guter Musiker und wandte mich, beispielnehmend an einem meiner tschechischen Freunde, dem Instrumentenbau zu. Ich besorgte mir jegliche Literatur, die ich über Saiteninstrumente bekommen konnte, kaufte Holz bei Tonholzhändlern im Raum Erlangen und legte los. Ohne Werkstadt, kaum mit Werkzeugen aber mit höchster Motivation ausgestattet. Mein erstes Instrument war eine amerikanische Mandoline die ich deswegen nachbauen konnte, weil ich mir ein Vorbild ausleihen konnte. Sie hat vom Bau her große Ähnlichkeiten mit Geigen. Ein Geigenbaumeister in Frankfurt, welchen ich Monate später wegen der Lackierung des fertigen Instrumentes konsultiert hatte, gab mir einen neuen Ansporn. Überrascht von der Qualität meines ersten Instrumentes, gab er mir nicht nur Tips zum Lackieren, sondern klärte mich über gewisse Arbeitsmethoden auf, bescheinigte mir hohe Begabung und ermutigte mich zum Weitermachen. Dieser Mandoline folgte dann Bau von akustischen Stahlsaitengitarren. Diese Instrumente wurden auch von namhaften Gitarrenspielern gekauft. Allerdings hatte ich mein Lebensbroterwerb eher durch Instrumentenreparaturen gesichert. Nach einigen Jahren schrieb ich ein Buch über den Bau von Gitarren. Ich erhoffte mir dadurch auch mehr Publizität für meine Instrumente. Die kam dann doch nicht im erwarteten Maße und ich gab, etwas enttäuscht, diesen Beruf auf. Heute denke ich, etwas mehr Durchhaltevermögen wäre damals vonnöten. Immerhin habe ich dieses Thema mit der Veröffentlichung meines Buches „Gitarre selbst gebaut „ beendet.

Bevor ich anfing Instrumente zu bauen, absolvierte ich ein Studium zum Maschinenbautechniker und ging nun 10 Jahre später in diese Sparte hinein. Da sich auf diesem Gebiet u. a. durch den Einzug der Computertechnik viel Neues getan hatte, was mir natürlich entging, stieg ich im Industriemodellbau ein. Es wurden Chemieanlagen nach den neuesten Umweltstandards entweder um- oder neu gebaut.

Zu dieser Zeit erwarb ich eine kleine Tischdrehbank, die man auch als Drechselbank benutzen konnte. Da ich in meinem Leben auch als Dreher gearbeitet hatte, fing ich an, Holz zu drehen so, wie es ein Metalldreher eben machen würde. Mit Erfolg und Misserfolg. Das wichtigste auch hier war wieder die Begeisterung darüber, aus praktisch jedem Holzstück was entstehen lassen zu können. Das war beim Instrumentenbau nicht möglich.

Nach relativ kurzer zeit träumte ich schon davon, als Drechsler mein Lebensunterhalt zu bestreiten.
Ein englischer Modellbauer, mit dem ich mich angefreundet hatte, schickte mir eine der ersten Ausgaben von " Woodturning", einer englischen Drechselzeitschrift. Das war für mich die "Erleuchtung". Bis dahin hatte ich nämlich keinen Drechsler "live" gesehen und konnte gar nicht beurteilen, ob meine Arbeitsweise zumindest ansatzweise richtig war. Die ersten Drechsler denen ich etwa 5 Jahre nach meinen Anfängen begegnete, waren Melvin Firmager und Dave Regester. Ich hatte feststellen können, daß ich nicht nur falsch arbeitete. Melvin Firmager, ebenso wie ich ein Autodidakt, hatte eine Reihe von Spezialwerkzeugen zum drechseln von Hohlgefäßen entwickelt. Dies hatte bei mir jenen "aha Effekt" das-kann-man-also-auch-machen ausgelöst.
Nach diesen Workshops stand für mich fest, ich will professionell drechseln.

Hin und wieder verkaufte ich meine Gefäße und arbeitete nebenbei als Koch in einem lokalen Restaurant um zu überleben. In der Modelbauerbranche wurde es zunehmend schwieriger, als Freischaffender Mitarbeiter noch Jobs zu bekommen und ich wollte doch eigentlich was anderes machen.
1993, also zwei Jahre später, wurde ich im Hessischen Verband für Kunsthandwerk aufgenommen. In dieser Zeit hatte ich mir schon ein wenig Namen gemacht mit meinen dünnwandigen Gefäßen - Vasen, Schalen, Hohlgefäßen.

Bis heute begeistert mich schön gemasertes Holz. Allerdings verschiebt sich nun dieses Kriterium. Die Form rückt in den Vordergrund und ich empfinde den Werkstoff Holz eher als Formträger, d. h., auf der Maserung liegt nicht mehr so viel Gewicht. Gefäße, derer Formgestaltung überzeugend ist, kommen auch ohne lebhafte Maserung aus, sie kann sogar störend wirken.
Bei dieser Betrachtung passiert es , daß mir Formen in den Sinn kommen, die nicht mehr nur rund, d. h., achsensymetrisch sind. Ein Beispiel dafür sind meine Pfeffermühlen. Ihre Griffe sind mit vier verschiedenen Achsen gedrechselt und obwohl sie so einfach aussehen, war schon ihr Entwurf eine ordentliche Herausforderung.

Gefäße, welche eigentlich aus mehreren sich durchdringenden Formen bestehen, können nicht mehr nur durch drechseln erstellt werden. Wenn ich ein solches Gebilde auf Papier entworfen habe, überlege ich, wie ich es verwirklichen kann. Seit drei Jahren entwickle ich eine Maschine mit der ich, wie ich das nenne, "fräsdrechseln" kann. Das ist nicht unbedingt was Neues. Ich muss es nur ohne große finanzielle Ausgaben schaffen. Da ich es immer gewohnt war, mir irgendwie unkonventionell auszuhelfen, gehe ich diesen Weg auch hier. Und so bin ich ein ständiger Gast auf Schrottplätzen und gebe den dort gefundenen Maschinenteilen eine neue Bestimmung. Und erweitere somit die Möglichkeiten meiner Formgestaltung. Es ist immer spannend und ich merke bei solchen Zusammenhängen, wie viele Fäden hier zusammen laufen, um eine neue Kreation hervorbringen zu können.

Und doch steht das Drechseln im Vordergrund und ich lerne mit der Zeit auch Gefäße zu drechseln, die nicht mehr so aussehen, als wären sie gedrechselt. Die entstehen meistens durch Kombination von Drechseln, Fräsen und viel Handarbeit.

Die Faszination am Drechseln bedeutet für mich, eine eigene Sprache zu finden, einen unverwechselbaren Ausdruck.
Die Herausforderung höchste Präzision, Technik und handwerkliches Können zu beherrschen, um am Ende das Gefühl eines vollkommen harmonischen organischen Körpers zu vermitteln, dessen Leichtigkeit und Schönheit berührt.

 

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